ROI-Kalkulation für KMU — wann rechnet sich ein Cobot?

Die häufigste Frage vor einer Automatisierungsinvestition: „Rechnet sich das überhaupt für einen Betrieb unserer Größe?" Dieser Ratgeber zeigt die Rechenlogik hinter einem fairen ROI — mit der Personalkosten-Ersatz-Formel, der Break-Even-Gleichung und drei Szenarien, die ehrlich ausweisen, was Schätzung ist und was belegt.

Wichtiger Vorbehalt zu allen Zahlen: Investitions- und Betriebskostenwerte für Cobots und AMR sind überwiegend nicht öffentlich vom Hersteller bestätigt. Systemkosten, Wartungsquoten und automatisierbare Arbeitsanteile in diesem Ratgeber sind als Orientierungs-Schätzungen gekennzeichnet Schätzung. Setzen Sie für Ihre eigene Kalkulation ausschließlich verbindliche Angebote von Integratoren und Herstellern ein. Für eine auf Ihre Eckdaten zugeschnittene Berechnung: TrueCost-Report anfordern.

1. Die Personalkosten-Ersatz-Formel

Der einfachste Einstiegspunkt: Welche Personalkosten entfallen (oder verringern sich), wenn ein Roboter einen Teil der manuellen Arbeit übernimmt?

Personalersparnis p. a. = K_pers × A_auto × S

K_pers = Gesamtarbeitskosten je Stunde (Bruttolohn + AG-Sozialversicherung + weitere Nebenkosten)
A_auto = automatisierbare Arbeitsstunden je Jahr an diesem Arbeitsplatz
S = Anzahl der abgedeckten Schichten (1, 2 oder 3)

Gesamtarbeitskosten je Stunde (K_pers)

Für die Kalkulation zählen nicht nur Bruttolöhne, sondern alle Arbeitgeberkosten: Arbeitgeberanteil Sozialversicherung (Renten-, Kranken-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung, zusammen ca. 19–21 % des Bruttolohns1), Urlaubsentgelt, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, ggf. Zulagen. Als grober Richtwert für das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland werden branchenübergreifend ca. 35–45 EUR/h Gesamtarbeitskosten genannt.Schätzung2

Für Ihre Kalkulation: eigenen Bruttostundenlohn × 1,25 bis 1,35 als Näherung für Gesamtarbeitskosten (AG-Anteil SV + einfache Nebenkosten). Tatsächliche Arbeitskosten aus der Lohnbuchhaltung verwenden.Schätzung/Orientierung

Automatisierbare Arbeitsstunden (A_auto)

Nicht jede manuelle Tätigkeit ist roboterfähig. Typische Einschätzungen aus Integratoren-Praxis für repetitive Handlings- und Montageaufgaben:Schätzung

Jahresarbeitszeit pro Vollzeitstelle: Tarifliche Wochenarbeitszeit (oft 35–40 h) × Kalenderwochen minus Urlaub, Feiertage, Krankenstand. Näherungswert ca. 1.500–1.750 Produktivstunden/Jahr.Schätzung3

Schichtfaktor (S)

Ein Cobot arbeitet theoretisch rund um die Uhr. Praktisch begrenzen Rüstzeiten, Wartung und Werkzeugwechsel die Laufzeit. Als Schichtfaktor gilt: 1 Schicht = 1, 2 Schichten = ~1,85, 3 Schichten = ~2,6 (Faktor < 3 wegen Pausenzeiten und Rüsten).Schätzung Wichtig: Der Cobot ersetzt keine Vollzeit-Stelle pro Schicht, solange er nicht vollständig autonom läuft — Aufsicht und Rüsten verbleiben beim Menschen.

2. Die Break-Even-Formel

Break-Even (Jahre) = I_gesamt / (Personalersparnis p. a.C_laufend p. a.)

I_gesamt = Gesamtinvestition (Roboter + Integration + Werkzeuge + Inbetriebnahme)
C_laufend p. a. = laufende Kosten pro Jahr (Wartung + Software + anteilige Energie)
Personalersparnis p. a. = aus Formel §1

Gesamtinvestition: Für ein typisches Cobot-System (Basisroboter + Greifer + Sicherheitstechnik + Inbetriebnahme) werden in Marktberichten Gesamtinvestitionen von 60.000–130.000 EUR genannt.Schätzung4 Verbindliche Angebote von Integratoren können erheblich abweichen.

Laufende Kosten: Wartung ca. 2–5 % der Anschaffungskosten p. a.Schätzung, Software/Lizenz je nach Hersteller 0–5.000 EUR/Jahr, Energiekosten für Cobots < 400 W Betriebsleistung bei 0,30 EUR/kWh und 2.000 h/Jahr ca. 240 EUR/Jahr (vernachlässigbar).

Nicht enthalten: Kapitalkosten / Zinsen auf Fremdkapital, Opportunitätskosten, Restwertabschreibung, Downtime-Kosten (können erheblich sein, siehe §4).

3. Drei-Jahres-Szenarien — Rechenbeispiel

Das folgende Beispiel rechnet mit einem typischen mittelständischen Handlingsarbeitsplatz (1 Schicht, ein Mitarbeiter). Alle Werte sind als Orientierungsschätzung zu verstehen — für Ihren Betrieb gelten eigene Zahlen.

Annahmen (Beispiel):Schätzung

Szenario Automatisierbarer Anteil Brutto-Einsparung p. a. Laufende Kosten p. a. Nettoeinsparung p. a. Break-Even
Optimistisch 75 % 51.000 EUR 3.200 EUR 47.800 EUR ~1,7 Jahre
Realistisch 55 % 37.400 EUR 3.200 EUR 34.200 EUR ~2,3 Jahre
Konservativ 35 % 23.800 EUR 3.200 EUR 20.600 EUR ~3,9 Jahre

Alle Werte sind Rechenbeispiele auf Basis von Schätzwerten. Kein belegter Primärwert. Tatsächliche Ergebnisse hängen von Ihren spezifischen Personalkosten, der Automatisierungstiefe und den Integrator-Angeboten ab. Angaben ohne Gewähr.Schätzung/Orientierung

Was die Szenarien zeigen

4. Was die Szenarien nicht enthalten

Jede Kurzformel unterschlägt Posten, die in der Praxis erheblich sein können:

Vernachlässigter PostenWirkung auf ROIBelegstand
Downtime-Kosten (ungeplanter Stillstand) Erhöht effektive Amortisationszeit erheblich; bei Linientakt 500–5.000 EUR/h Stehzeit möglich Schätzung
Umrüstzeiten / Teach-in für neue Teile Ingenieurstunden häufig nicht budgetiert; erhöht laufenden Aufwand Schätzung
Kapitalkosten (Fremdfinanzierung) Zinsen auf 80.000 EUR über 3–5 Jahre verlängern effektiven Break-Even Eigene Finanzierungskosten einsetzen
Reale Wiederholgenauigkeit unter Last Spec-Wert gilt unter Laborbedingungen; reale In-Cell-Genauigkeit kann 20–40 % schlechter sein5 Belegt (Stufe A, redaktionelle Aggregation)
Personalkosten-Einsparung vs. Personalabbau Im deutschen Arbeitsrecht oft Umsetzung, nicht Kündigung — Einsparung entsteht erst durch Verzicht auf Nachbesetzung oder durch Aufwertung der freien Kapazität Rechtlicher Hinweis; kein Schätzwert
Restwert / Wiederverkauf nach 5 Jahren Reduziert effektive Gesamtinvestition; Markt für gebrauchte Cobots vorhanden, Preise nicht standardisiert Schätzung

Detaillierte Betrachtung der Kostenblöcke inkl. Downtime und Umrüstkosten: Ratgeber — Was kostet ein Industrieroboter wirklich?

5. Förderungen als Hebel: Investitionskosten reduzieren

Förderprogramme können die Gesamtinvestition und damit den Break-Even deutlich verbessern. Für KMU in DACH relevante Instrumente:

Vollständige Übersicht mit offiziellen Quellenlinks: Förderungen für Robotik und Automatisierung (DACH). Details zu KfW-Krediten und zur steuerlichen Sonderabschreibung nach §7g EStG: Ratgeber KfW-Förderung und Abschreibung.

Förderungseffekt im Rechenbeispiel: BAFA-Förderung auf externe Beratung von z. B. 10.000 EUR bei 80 % Förderquote → 8.000 EUR weniger Eigenkapitaleinsatz → Break-Even im realistischen Szenario verkürzt sich von ~2,3 auf ~2,1 Jahre.Schätzung

6. Modellbeispiele — Cobot und AMR

Cobot: Universal Robots UR5e

Der UR5e (5 kg Traglast, 850 mm Reichweite, Wiederholgenauigkeit ±0,03 mm nach Herstellerangabe7) ist ein verbreiteter Einstiegs-Cobot für Montage, Schrauben und Pick-and-Place. Typischer Basisroboterpreis: 30.000–45.000 USD (Händlerangabe, nicht vom Hersteller bestätigtSchätzung). Systempreis inkl. Greifer, Sicherheitsintegration und Inbetriebnahme: ca. 60.000–100.000 EUR.Schätzung Vergleichbare Einstiegs-Cobots anderer Hersteller mit quellenbelegten Herstellerdaten: Omron TM12, Yaskawa HC10DT und der reinraumtaugliche Stäubli TX2-40.

Hinweis zur Wiederholgenauigkeit: Der Spec-Wert ±0,03 mm gilt nach ISO 9283 unter Laborbedingungen. Unabhängige Messungen zeigen, dass die reale In-Cell-Genauigkeit unter Produktionslast 20–40 % schlechter liegen kann (redaktionelle Aggregation, Stufe A).5

AMR: MiR250

Der MiR250 (250 kg Traglast, autonome Navigation, kein fixer Fahrweg) eignet sich für innerbetriebliche Materialtransporte. Marktangaben zu Systempreisen: 35.000–80.000 EUR je nach Konfiguration und Flottenmanagement-Software.Schätzung4

ROI-Logik beim AMR: Personalersatz eines Staplerfahrers oder innerbetrieblichen Logistikers (inkl. Gabelstaplerlizenz, Unfallrisiko, Schichtzulage) kann Break-Evens von 1–3 Jahren ergeben — allerdings ist der vollständig autonome Betrieb ohne Ausnahmen selten, und Anlernaufwand sowie Kartierung erhöhen die Ersteinrichtungskosten.Schätzung

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Die Formeln in diesem Ratgeber sind Orientierungsrahmen. Für eine auf Ihre konkreten Eckdaten zugeschnittene 3- bis 5-Jahres-Kostenbetrachtung:

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Technische Daten der genannten Modelle: UR5e · FANUC CRX-10iA · MiR250 · MiR600 · Omron TM12 · Yaskawa HC10DT · Stäubli TX2-40 · Kawasaki RS005N · Alle Modelle ansehen

Noch eine Vorstufe: Ob eigene Automatisierung oder Lohnfertiger wirtschaftlicher ist, klärt der Ratgeber Make-or-Buy Automatisierung — mit Entscheidungsmatrix nach Stückzahl und Variantenvielfalt.

Quellen und Belege
  1. Bundesgesundheitsministerium — Beitragssätze zur Kranken- und Pflegeversicherung 2026 (Hersteller: Bundesministerium, tagesaktuell prüfen); ergänzt um Rentenversicherung (9,3 % AN+AG), Arbeitslosenversicherung (1,3 % AN+AG) lt. Beitragssätze gesetzliche Sozialversicherung. Gesamtschätzung AG-Anteil SV ca. 19–21 % des Bruttolohns: Schätzung/Orientierungswert — tatsächliche Konditionen aus Lohnbuchhaltung verwenden.
  2. Statistisches Bundesamt (Destatis) — Verdienste und Arbeitskosten (Themenbereich). Bruttostundenverdienste und Gesamtarbeitskosten je Wirtschaftsbereich (Verarbeitendes Gewerbe, WZ-Abschnitt C) werden im Rahmen der Verdienststrukturerhebung und vierteljährlichen Verdienststatistik veröffentlicht. Für diesen Ratgeber verwendeter Richtwert 35–45 EUR/h Gesamtarbeitskosten: redaktionelle Orientierungsschätzung, aktuelle Tabellen direkt bei Destatis abrufen.
  3. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) — Arbeitszeitreport Deutschland. Tatsächliche Jahresarbeitszeiten (Vollzeit, Verarbeitendes Gewerbe) als Orientierung; Brutto-Sollarbeitszeit ca. 1.800 h/Jahr, abzüglich Urlaub, Feiertage und Krankenstand typisch 1.500–1.750 Produktivstunden. Wert für diesen Ratgeber: Schätzung/Orientierung.
  4. Roboratgeber.de — Ratgeber: Was kostet ein Industrieroboter wirklich? (interne Analyse, Stand 2026-06-25). Systempreise Cobots 60.000–130.000 EUR, MiR250 35.000–80.000 EUR: Händlerangaben / Schätzung, nicht vom Hersteller bestätigt.
  5. Redaktionelle Aggregation aus unabhängigen Messungen (Belegstufe A): Pollák et al. (2020), Advances in Mechanical Engineering (SAGE), doi:10.1177/1687814020972893; Semjon et al. (2020), International Journal of Advanced Robotic Systems (SAGE), doi:10.1177/1729881420904209; Communications Engineering (Nature, 2026), nature.com. Detailherleitung: interne Quellenanalyse Realitäts-Discount-Faktoren (2026-06-25). Korridor 20–40 % ist redaktionelle Aggregation, kein direkt gemessener Einzelwert.
  6. Roboratgeber.de — Förderungen für Robotik und Automatisierung (DACH), Stand 2026-06-25. BAFA: bafa.de (Fördersätze/-laufzeit vor Antrag tagesaktuell prüfen); KMU.DIGITAL AT: kmudigital.at; Innosuisse CH: innosuisse.admin.ch.
  7. Universal Robots — Technische Daten UR5e (Hersteller): Wiederholgenauigkeit ±0,03 mm nach ISO 9283. Primärquelle: universal-robots.com/de/produkte/ur5-roboter/ (Stand 2026; tagesaktuell prüfen). Preisangaben: keine Herstellerveröffentlichung; Händlerrichtwerte, Schätzung.