Autonome mobile Roboter (AMR): Funktionsweise, Sensorik und Navigation

Autonome mobile Roboter (AMR) transportieren Material in Fertigung und Lager ohne Fahrer und ohne feste Leitspur. Diese Seite erklärt, wie ein AMR „sieht“, sich verortet und fährt, wo der Unterschied zum klassischen fahrerlosen Transportsystem (FTS/AGV) liegt und welche Sicherheitsvorgaben gelten.

Einordnung: „AMR“ ist keine genormte Produktbezeichnung. Sicherheitstechnisch gelten fahrerlose Flurförderzeuge nach EN ISO 3691-4.4 Einen Einstieg in Begriffe und Abgrenzung zu Stapler und Förderband finden Sie in Was ist ein AMR?; Typen und Modellauswahl in AMR Roboter: Typen und Auswahl.

1. Was ein autonomer mobiler Roboter leistet

Ein AMR ist ein fahrerloses Fahrzeug, das auf Basis einer digitalen Karte und seiner Sensorik selbst entscheidet, welchen Weg es zu einem Ziel nimmt. Hersteller wie KUKA beschreiben den Unterschied zum AGV so: AGV folgen Magnetstreifen oder Bodenmarkierungen, AMR legen digitale Karten an und wählen Routen dynamisch; stößt ein AMR auf ein Hindernis, kann es neu planen, statt zu halten.1

Vergleich: AGV folgt fester Spur, AMR wählt Route frei und weicht einem Hindernis ausAGV / FTS: feste SpurführungAMR: Route aus Karte, Ausweichen möglichStartZielStartZielHindernisBei Hindernis: Halt, bis freiHindernisBei Hindernis: Umfahren oder neue Route
Abbildung 1: Prinzipieller Unterschied zwischen fester Spurführung (AGV/FTS) und kartenbasierter Navigation (AMR). Eigene schematische Darstellung nach der Herstellerbeschreibung.1

2. Funktionskette: Wahrnehmen, Lokalisieren, Planen, Fahren

Die meisten AMR folgen demselben Grundprinzip. Die Sensorik liefert Umgebungsdaten, die Lokalisierung vergleicht sie mit der gespeicherten Karte, die Planung berechnet die Route, der Antrieb setzt sie um. Parallel dazu überwacht eine eigene Sicherheitsfunktion den Fahrbereich.

Funktionskette eines AMR: Sensorik, Lokalisierung, Pfadplanung, Antrieb, mit paralleler Sicherheitskette1 WahrnehmenLaser, Kameras, Odometrie2 LokalisierenAbgleich mit Karte (SLAM)3 PlanenRoute, Ausweichen, Priorität4 FahrenAntrieb, LastaufnahmeSicherheitskette (parallel)Sicherheits-Laserscanner, Schutzfelder, Not-HaltFlottensteuerung (optional)Aufträge, Verkehr, Laden — über WLANVereinfachte Prinzipdarstellung; reale Systeme unterscheiden sich je Hersteller.
Abbildung 2: Vereinfachte Funktionskette eines AMR mit paralleler Sicherheitskette. Eigene Prinzipdarstellung; Begriffe nach1

Sensorik

KUKA nennt als Sensorik LiDAR, Kameras und Sensorfusion, außerdem Laserscanner und 3D-Kameras zur Erkennung von Hindernissen auch oberhalb der Scannerebene.1 Welche Sensoren ein konkretes Modell nutzt, steht im Datenblatt des Herstellers; Sie sollten das im Angebot abfragen.

SLAM: Karte erstellen und sich darin verorten

SLAM steht für Simultaneous Localization and Mapping. Das Fahrzeug erfasst die Umgebung, erstellt daraus eine Karte und bestimmt gleichzeitig seine Position darin.1 Die Karte wird typischerweise bei der Inbetriebnahme angelegt und danach mit den laufenden Sensordaten abgeglichen (Vorgehen je Hersteller verschieden). Das Erklärvideo unten zeigt die Laser-SLAM-Variante.

Video: Absolute Gauge Technologies (YouTube), Erklärung der Laser-SLAM-Navigation bei AMR.6

Planung und Ausweichen

Aus Karte und Zielposition berechnet die Software die Route. Erkennt die Sensorik ein Hindernis, kann das Fahrzeug laut KUKA verlangsamen, anhalten oder eine alternative Route berechnen.1 Wie ein konkretes Modell reagiert, legt der Hersteller bzw. die Konfiguration fest; fragen Sie das für Ihre Gangbreiten gezielt ab.

Antrieb und Lastaufnahme

Die Bauform entscheidet, was das Fahrzeug transportiert: Plattformen mit Aufbau (z. B. MiR250 mit 250 kg Nutzlast2), Unterfahr-AMR für Wagen oder Dollys (AGILOX ODM mit 300 kg3) oder Palettenroboter (MiR1200 Pallet Jack mit 1.200 kg und KI-gestützter Palettenerkennung8). Details dazu: AMR Roboter: Typen und Auswahl.

3. Ein Hersteller-Überblick im Video

Das folgende Video des Herstellers Mobile Industrial Robots zeigt den Ablauf eines Transportauftrags. Es ist Werbematerial und ersetzt keine Eignungsprüfung für Ihre Halle.

Video: Mobile Industrial Robots (YouTube), Herstellervideo zur Funktionsweise.7

4. Sicherheit: Was für den Betrieb gilt

Für fahrerlose Flurförderzeuge und ihre Systeme legt EN ISO 3691-4 Sicherheitsanforderungen fest.4 Praktisch heißt das: Vor der Inbetriebnahme gehört eine Risikobeurteilung des Gesamtsystems (Fahrzeug, Last, Fahrweg, Personenverkehr) zu den Pflichten des Betreibers bzw. des beauftragten Integrators. Die CE-Kennzeichnung des Fahrzeugs ersetzt diese Beurteilung nicht. Weitere Hintergründe: Risikobeurteilung Schritt für Schritt.

5. Marktbezug: Wie verbreitet sind Transportroboter?

Die International Federation of Robotics (IFR) meldet für 2025 knapp 250.000 verkaufte professionelle Serviceroboter, ein Plus von 24 %. Transport- und Logistikroboter bilden mit 117.500 Einheiten (+21 %, Anteil 47 %) die größte Anwendungsgruppe.5 Die IFR-Kategorie ist weiter gefasst als „AMR in der Fabrik“ und umfasst auch andere Transport- und Logistikroboter; sie belegt die Richtung, nicht die Zahl der Industrie-AMR.

6. Wann sich ein genauerer Blick lohnt

Nicht geeignet sind AMR-Standardmodelle in der Regel für hohe Hubhöhen, Außenbereiche mit wechselndem Untergrund oder Lasten jenseits der Herstellerangaben. Die Entscheidung hängt von Ihrem konkreten Fall ab; die Zahlen oben sind Herstellerangaben.

Weiterführende Seiten

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Quellen und Belege
  1. KUKA — Autonomous mobile robotics (Hersteller) (abgerufen 2026-10-01). SLAM mit LiDAR, Kameras und Sensorfusion; Abgrenzung AMR (digitale Karte, dynamische Routenwahl) zu AGV (Magnetstreifen/Markierungen); Hinderniserkennung per Laserscanner und 3D-Kameras.
  2. MiR250 — Spezifikationen (Hersteller Mobile Industrial Robots) (abgerufen 2026-10-01). Nutzlast 250 kg, max. 2,0 m/s, Eigengewicht 196 kg, Laufzeit bis 10 h.
  3. AGILOX ODM — Produktseite (Hersteller) (abgerufen 2026-10-01). Unterfahr-AMR, Hubgewicht 300 kg, max. 1,4 m/s.
  4. EN ISO 3691-4:2023 — Driverless industrial trucks and their systems (ISO) (abgerufen 2026-10-01). Sicherheitsanforderungen an fahrerlose Flurförderzeuge und ihre Systeme.
  5. IFR — Global sales of professional service robots surge 24 percent (Pressemitteilung) (abgerufen 2026-10-01). 2025: knapp 250.000 professionelle Serviceroboter (+24 %); Transport- und Logistikroboter 117.500 Einheiten (+21 %, 47 % Anteil).
  6. YouTube: „How Laser-SLAM Navigation Works in AMRs“ (Absolute Gauge Technologies) (abgerufen 2026-10-01). Drittanbieter-Erklärvideo.
  7. YouTube: „MiR Application Video: How It Works“ (Mobile Industrial Robots) (abgerufen 2026-10-01). Herstellervideo.
  8. MiR1200 Pallet Jack — Produktseite (Hersteller) (abgerufen 2026-10-01). 1.200 kg, 1,5 m/s, 8 h Laufzeit; KI-gestützte Palettenerkennung.

Videos stammen von Dritt-Kanälen auf YouTube und wurden nicht redaktionell auf Vollständigkeit geprüft; Herstellerfilme sind Werbematerial. Abbildungen sind eigene schematische Darstellungen (keine KI-Bilder).