Industrieroboter: Definition, Bauformen, Marktlage und Sicherheit

Industrieroboter sind die klassischen Automatisierungsgeräte der Fertigung: schnell, präzise, meist hinter Schutzeinrichtungen. Diese Seite erklärt Definition, Bauformen, Marktlage und Sicherheit und grenzt Industrieroboter von Cobots ab, damit Sie für Ihren Betrieb die richtige Roboterklasse prüfen können.

1. Definition: Was ist ein Industrieroboter?

ISO 8373 definiert den Industrieroboter als „automatically controlled, reprogrammable, multipurpose manipulator, programmable in three or more axes“, also als automatisch gesteuerten, umprogrammierbaren Mehrzweck-Manipulator mit mindestens drei programmierbaren Achsen.1 Entscheidend sind drei Merkmale: Er arbeitet ohne Eingriff, lässt sich für andere Aufgaben neu programmieren und ist nicht auf einen einzigen Zweck festgelegt.

2. Bauformen im Überblick

Vier Bauformen von Industrierobotern in Strichzeichnung: Knickarm, SCARA, Delta, PortalKnickarmmeist 6 AchsenSCARAmeist 4 AchsenDeltaParallelkinematik, schnellPortal / Gantrykartesische Linearachsen
Abbildung 1: Vier gängige Bauformen (eigene Strichzeichnung, stark vereinfacht). Beschreibung nach2.
BauformMerkmale laut KUKA2Typische Aufgaben
KnickarmroboterDrehachsen, frei im Raum beweglich; meist sechs Achsen, optional siebteMontage, Palettieren, Punktschweißen, Lackieren
SCARAMeist vier Freiheitsgrade, robust, hohe Wiederholgenauigkeit, geringe Traglast und kleiner ArbeitsraumMontage, kleine Teile
DeltaParallelkinematik mit Dreibein-Aufbau, Motoren stehen fest am RahmenVerpacken, schnelles Pick-and-Place (z. B. Pharma)
Portal (Gantry)Lasten über lange Wege präzise positionieren; linear, Ausleger oder kartesischHandhabung, Maschinenbeschickung
PalettierroboterVier Freiheitsgrade, sehr kräftig, Werkzeug bleibt parallel zum BodenPalettieren

3. Videos: Aufbau und Achsen

Video: Der KI & Roboterkanal (YouTube), Einführung zu Aufbau und Achsen.5

Video: Der KI & Roboterkanal (YouTube), Bewegen eines Knickarmroboters achsweise (Praxis des Programmierens).6

4. Marktlage: Wo wird installiert?

Die IFR meldet für 2025 weltweit über 600.000 neu installierte Industrieroboter (+11 %); der Bestand stieg um 9 % auf 5 Millionen Einheiten. Für 2026 prognostiziert die IFR 655.000 Installationen.3 Deutschland liegt mit unter 25.000 Einheiten (−8 %) hinter China, den USA, Japan und Südkorea, stellt aber 41 % der Installationen in der EU.3

Balkendiagramm: Neuinstallationen von Industrierobotern 2025 nach Land, laut IFRChina354.000USAca. 38.500Japan36.219Südkoreaca. 30.000Deutschlandunter 25.000
Abbildung 2: Neuinstallationen 2025 nach Land laut IFR. „Unter 25.000“ und „knapp/ca.“ sind gerundete Angaben der IFR; der Balken für Deutschland zeigt die Obergrenze.3

Redaktionelle Einschätzung (nicht belegt): Für KMU liegt der Aufwand meist weniger in der Hardware als in Integration, Sicherheit und Personal. Zahlen zu Kosten finden Sie in Roboterkosten und Integrationskosten.

5. Sicherheit: ISO 10218 und Schutzkonzept

Die Norm ISO 10218-1 (Roboter) und -2 (Roboterapplikation und Integration) wurde im Februar 2025 neu veröffentlicht. Laut Elektronik Praxis unterscheidet sie erstmals zwei Roboterklassen, integriert Inhalte der ISO/TS 15066 zur Mensch-Roboter-Kollaboration, definiert Sicherheitsfunktionen konkreter und behandelt Cybersecurity; die Übergangsfrist beträgt demnach 24 Monate, vorbehaltlich der Bestätigung durch die EU-Kommission.4 Prüfen Sie den aktuellen Stand der Harmonisierung mit Ihrem Integrator. Praktisch bleibt die Aufgabe des Betreibers: Risikobeurteilung der gesamten Anlage, nicht nur des Roboters (Anleitung).

6. Industrieroboter oder Cobot?

Cobots sind für die Arbeit ohne trennende Schutzeinrichtung ausgelegt, was nach ISO 10218 an Risikobeurteilung und Applikation hängt; die Norm behandelt Kollaboration inzwischen ausdrücklich.4 Klassische Industrieroboter laufen in der Regel eingehaust. Welche Klasse passt, hängt von Takt, Traglast, Platz und Sicherheitskonzept ab, siehe Cobot vs. Industrieroboter.

Diese Einordnung ist eine redaktionelle Faustregel, keine Norm.

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Quellen und Belege
  1. IFR — Robot definitions at ISO (abgerufen 2026-10-01). Definition nach ISO 8373: „automatically controlled, reprogrammable, multipurpose manipulator, programmable in three or more axes“.
  2. KUKA — From Delta to SCARA: overview of industrial robot types (Hersteller) (abgerufen 2026-10-01). Beschreibung der Bauformen Knickarm, Delta, SCARA, Portal, Palettierroboter.
  3. IFR — Five million robots now operate in factories globally (Pressemitteilung) (abgerufen 2026-10-01). 2025: über 600.000 Neuinstallationen (+11 %), Bestand 5 Mio. (+9 %); China 354.000, USA knapp 38.500, Japan 36.219, Südkorea 30.000, Deutschland unter 25.000 (−8 %), 41 % der EU-Installationen; Prognose 655.000 für 2026.
  4. Elektronik Praxis — Neue Normen für Cobots und Industrieroboter: ISO 10218 passt sich der Praxis an (abgerufen 2026-10-01). ISO 10218-1/-2:2025 seit Februar 2025; Klassen 1 und 2, Integration von ISO/TS 15066, Cybersecurity; Übergangsfrist 24 Monate (laut Artikel vorbehaltlich Bestätigung der EU-Kommission).
  5. YouTube: „Was ist ein INDUSTRIEROBOTER und wie ist er aufgebaut?“ (Der KI & Roboterkanal) (abgerufen 2026-10-01). Drittanbieter-Video.
  6. YouTube: „Roboter in EINZELACHSEN bewegen lernen!“ (Der KI & Roboterkanal) (abgerufen 2026-10-01). Drittanbieter-Video.
  7. KUKA — Autonomous mobile robotics (abgerufen 2026-10-01). Abgrenzung AMR/AGV, Anwendungen.

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