Einsatzfall

Kommissionierung mit AMR — Picking-Setup, SKU-Bandbreite und Break-Even

Kommissionierung — das Zusammenstellen einzelner Artikel aus dem Lagerbestand zu Kundenaufträgen — ist im DACH-E-Commerce-Lager und in der Intralogistik eine der aufwändigsten manuellen Tätigkeiten. Autonome mobile Roboter (AMR) können dabei entweder die Ware zur Pickerin bringen (Goods-to-Person) oder die Pickerin durch das Lager begleiten und schwere Kommissionierwagen übernehmen (Person-to-Goods mit AMR-Begleitung). Diese Seite fasst zusammen, welche Systemvarianten existieren, welche AMR-Modelle geeignet sind und welche Rahmenbedingungen die Wirtschaftlichkeit bestimmen.

Typisches Lager-Setup

In DACH-Distributionszentren kommen zwei Grundvarianten zum Einsatz:

Variante Ablauf AMR-Rolle
Goods-to-Person (G2P) AMR fährt zum Regalstandort, entnimmt dort einen Behälter oder eine Pickeinheit und transportiert sie zur stationären Kommissionierstation; die Pickerin entnimmt den Artikel, bestätigt per Scanner, AMR fährt zurück. Transportfahrzeug mit oder ohne Greifer-Aufsatz; Nutzlast muss Behältergewicht (typisch 20–200 kg) tragen.
Person-to-Goods (P2G) mit AMR-Begleitung Pickerin geht durch das Lager; AMR folgt ihr (Follow-me-Modus) und übernimmt den Kommissionierwagen. Pickerin spart Wegezeit beim Schieben schwerer Wagen. Rollwagen-Träger; Lastaufnahme über Haken- oder Untersetzmodul; autonome Rückfahrt zur Packstation.
Guardrail A1: Die Variantenbeschreibung basiert auf dem Fraunhofer IML-Überblick zu AMR in der Intralogistik4 sowie auf öffentlichen Herstellerangaben zu Goods-to-Person-Systemen. Anwendungsspezifische Zeiten (Zykluszeiten, Durchsatz) sind ohne konkreten Teilestrom nicht valide quantifizierbar. Angaben ohne Gewähr, können Fehler enthalten.

SKU-Bandbreite und Systemeignung

AMR-gestützte Kommissionierung eignet sich besonders für breite Sortimentstiefe (viele verschiedene Artikel, Long Tail), da das Fahrzeug keine feste Regalzuordnung voraussetzt und per SLAM-Navigation flexibel umgeleitet werden kann. Ein stationäres Förderbandsystem hingegen erfordert ortsfeste Lagerplatzzuweisungen.

Merkmal AMR-Eignung Hinweis
Sortimentsbreite (SKU-Anzahl) Hoch — AMR navigiert flexibel zu beliebigen Lagerorten Kein Umbau bei Sortimentserweiterung; Fleet-Manager-Software aktualisiert Routing.Schätzung/Orientierung
Artikelgewicht je Kommissioniereinheit Bis zur AMR-Nutzlast (je nach Modell 200–250 kg); Greifer begrenzt Einzelstückgewicht zusätzlich G2P-Systeme mit Greifer-Aufsatz sind auf standardisierte Behälter ausgelegt; unregelmäßige Formen erfordern Sonderlösung.
Durchsatz (Picks/Stunde) Anwendungsabhängig; keine allgemeingültige Zahl belegbar Durchsatz hängt von Lagerlayout, Fahrwegentfernung, Behälterwechselzeit und Flottengröße ab. Ohne Lagerdaten keine valide Schätzung.Schätzung/Orientierung
Saisonale Schwankungen Gut geeignet — Flottenskalierung (mehr/weniger AMR) einfacher als Umbau fester FördertechnikSchätzung/Orientierung RaaS-Modelle (Roboter-as-a-Service) erlauben temporäre Erweiterung; vgl. RaaS-Ratgeber.

Fehlerrate

Manuelle Kommissionierung erzeugt nach Branchenerfahrungen in der Logistik messbare Fehlerquoten, die von Lagerorganisation, Schichtlänge und Sortimentsbreite abhängen. AMR-gestützte Systeme können Fehler durch Scan-Bestätigung an der Kommissionierstation reduzieren — das AMR bringt den falschen Behälter nicht weiter, sobald ein Scan-Fehler registriert wird.

Hinweis A1 — Schätzung/unbestätigt: Konkrete Fehlerquoten für manuelle vs. AMR-gestützte Kommissionierung variieren stark je nach Messmethode, Lagersystem und Branche. Auf dieser Seite werden keine konkreten Prozentzahlen genannt, da keine verlinkte Primärquelle für modellspezifische Fehlerdaten vorliegt (A1). Eigene Betriebsmessungen oder Anbieter-Piloten sind die valide Erkenntnisgrundlage.

Anforderungen an den AMR

Kriterium Typischer Richtwert Hinweis
Nutzlast ≥ Behältergewicht (je nach Setup 50–250 kg) Bei G2P-Systemen: Behälter + ggf. Greifer-Modul; bei P2G-Begleitung: beladener Kommissionierwagen. Herstellerangabe prüfen.
Fahrgeschwindigkeit 1,5–2,0 m/s (Herstellerwert; real je nach Sicherheitszone geringer) In Mischbetrieb mit Personen reduziert Sicherheits-Laserscanner die Geschwindigkeit automatisch (ISO 3691-41).
Betriebsdauer ≥ Schichtlänge (8 h); Schnelllade-Option für 24/7-Betrieb vorteilhaft Bei mehrschichtigem Betrieb: automatisches Laden in Pausen oder Zwischenlade-Stationen einplanen.
SLAM-Navigation Infrastrukturlos; dynamisches Umfahren von Hindernissen Kein Bodenraster oder Spurmarkierung erforderlich; vereinfacht Lagerumbauten und Regalsortierungen.
Fleet-Management Flottensteuerung mit WMS-Anbindung (Lagerverwaltungssystem) WMS-Integration ist häufig der größte Integrationsposten; frühzeitig IT-Aufwand klären.
Guardrail A1: Richtwerte (Nutzlast, Geschwindigkeit) sind aus den quellenbelegten Herstellerangaben der unten aufgeführten Modelle abgeleitet. Anforderungen an Betriebsdauer und WMS-Integration sind anwendungsabhängig. Angaben ohne Gewähr, können Fehler enthalten.

Geeignete AMR-Modelle

Quellenbelegte Spezifikationen; jede Zahl trägt eine verlinkte Primärquelle auf der jeweiligen Modellseite.

MiR250

Nutzlast: 250 kg2 Max. Geschwindigkeit: 2,0 m/s2 Betriebsdauer: bis 10 h2

Weit verbreiteter AMR für Intralogistik; breites Modul-Ökosystem (Förderbandaufsatz, Hubtisch, Regalwagen-Kupplung) für Kommissionier-Setups. SLAM-Navigation ohne Bodenmarkierung; Flottensteuerung via MiR Fleet.

Technische Daten MiR250 →

Omron LD-250

Nutzlast: 250 kg3 Max. Geschwindigkeit: 1,8 m/s3 Betriebsdauer: nicht belegt (A1)

Aus der Omron LD-Serie; Fleet-Management via Omron Robotics and Safety Solutions. Laserscanner-basierte Sicherheitsfunktion. Integration in Omron-Automatisierungsumgebung (SPS, Roboter) über Fleet Manager möglich.

Technische Daten Omron LD-250 →

Linde LAM 200

Nutzlast: 200 kg5 Max. Geschwindigkeit: nicht belegt (A1) Betriebsdauer: nicht belegt (A1)

AMR von Linde Material Handling (DACH-Herkunft); ausgelegt für Distributionszentren und Produktionslogistik. Linde bietet Service-Netz und Flottenmanagement speziell für DACH-Betreiber. Detaillierte technische Daten über Linde-Vertrieb erhältlich.

Technische Daten Linde LAM 200 →

Alle AMR-Modelle mit quellenbelegten Daten: AMR-Übersicht · Technischer Vergleich

Direktvergleich MiR250 vs. Omron LD-250: MiR250 vs. Omron LD-250 →

Break-Even-Schätzung

Hinweis A1 — Schätzung/unbestätigt: Die folgenden Break-Even-Angaben sind Orientierungswerte auf Basis branchenüblicher Annahmen und der Kostenstruktur aus dem Ratgeber Roboterkosten. Sie ersetzen keine individuelle Investitionsrechnung. Angaben ohne Gewähr, können Fehler enthalten.
Szenario Amortisationszeit (Schätzung) Treiber
Mehrschichtbetrieb (2–3 Schichten), hohe Picker-Dichte 18–30 Monate Hohe Personalkosten; AMR läuft auch in Pausen und Nachtschicht autonom weiter
Einschichtbetrieb, Entlastung von Wegehilfe/Wagen-Schieben 30–48 Monate Picker-Effizienz steigt; kein Vollersatz einer Stelle, sondern Entlastung
Saisonale Spitze (Hochsaisonbetrieb 3–4 Monate) Schwer kalkulierbar RaaS-Modell prüfen statt Kauf; vgl. RaaS-Ratgeber

Alle Amortisationszeiten: Schätzung/unbestätigt; basieren auf Systemkosten von ca. 40.000–100.000 EUR pro AMR-Einheit (Hardware + Inbetriebnahme + WMS-Integration) und DACH-Logistiklohnkosten 2025/2026 als Schätzgröße. Individuelle Kalkulation mit realen Volumen, Schichtmodell und Integrationsaufwand ist zwingend erforderlich.

Nächster Schritt: Kosten kalkulieren

Wissen, was AMR-Kommissionierung wirklich kostet — Anschaffung, WMS-Integration, Flottenmanagement, Wartung und Amortisationszeit in einer ehrlichen 3- bis 5-Jahres-Kalkulation.

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Abgrenzung zu Palettieren

Kommissionierung und Palettieren werden im Lager oft in einem Atemzug genannt, sind aber grundverschiedene Aufgaben:

Merkmal Kommissionierung (Picking) Palettieren
Ziel Einzelartikel aus dem Lagerbestand zu einem Auftrag zusammenstellen Fertige Kartons oder Gebinde lagenweise auf eine Palette stapeln
Sortimentsbreite Hoch (viele SKUs, unregelmäßige Griffe) Niedrig (homogene Kartons eines Produkts oder Laufs)
Robotertyp AMR (Transport) ± Greifer-Aufsatz für Behälter Cobot oder Industrieroboter (stationärer Greifarm) an Palettierstelle
Typisches Gerät MiR250, Omron LD-250, Linde LAM 200 ABB GoFa CRB 15000, UR10e — vgl. Einsatzfall Palettieren

In der Praxis ergänzen sich beide Einsatzfälle: Das AMR übernimmt den Transportweg; ein Cobot am Ende der Linie übernimmt das Palettieren des fertig gepackten Kartons.

Weitere Hinweise

Quellen
  1. ISO — ISO 3691-4:2023 (Industrial trucks — Safety requirements and verification — Part 4: Driverless industrial trucks and their systems): iso.org/standard/78112.html. Abgerufen 2026-06-30. (Normen-Verweis; Volltext kostenpflichtig.)
  2. MiR — MiR250 Spezifikationsseite (Hersteller): mobile-industrial-robots.com/products/robots/mir250/specifications. Abgerufen 2026-06-25. Vollständige Specs: modelle/mir250.html.
  3. Omron — LD-Serie Produktseite (Hersteller): robotics.omron.com/products/mobile-robots/ld-series/. Abgerufen 2026-06-25. Vollständige Specs: modelle/omron-ld-250.html.
  4. Fraunhofer IML — Autonome mobile Roboter in der Intralogistik (Themenübersicht): iml.fraunhofer.de — Autonome mobile Roboter. Abgerufen 2026-06-30. (Allgemeiner Forschungsüberblick; keine modellspezifischen Messwerte.)
  5. Linde MH — Autonome Flurförderzeuge / AMR (Hersteller): linde-mh.com/de-de/loesungen/automation/. Abgerufen 2026-06-30. Vollständige Specs: modelle/linde-lam-200.html.